Denken wie ein Bürokrat – leicht gemacht!

Wenn Sie in der Wirtschaft tätig sind, sollten Sie vor allem vermeiden, unternehmerisch zu denken. Das klingt irgendwie nicht solide genug, zu riskant, zu kurzlebig. 1231 begründete der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. den ersten modernen Beamtenstaat. Das ist jetzt 777 Jahre her, und mindestens ebenso lang soll Ihre Firma ja auch bestehen, oder? Also denken Sie nicht unternehmerisch, denken Sie wie ein verbeamteter Bürokrat!


Sehen Sie nie die Möglichkeiten, betrachten Sie nur die Gefahren
Jede Veränderung ist zunächst einmal bedrohlich. Weigern Sie sich hartnäckig, anzuerkennen, dass eine Veränderung auch Chancen beinhalten könnte. Wenn das jemand behauptet, kneifen Sie die Augen zusammen, schütteln Sie den Kopf heftig nach rechts und nach links und dann wieder nach rechts, rufen Sie laut: „Nein, nein, nein!“


Weigern Sie sich, aus Fehlern zu lernen
Fehler sind schön. Sie bieten Anlass zur Bestrafung. Deshalb sollte man sie ständig wiederholen.


Denken Sie unentwegt an die Vergangenheit
Die Vergangenheit hat den großen Vorteil, dass sie sowieso schon geschehen ist. Man kann sie praktisch nicht mehr ändern. Deshalb kann man so schön darin schwelgen.


Denken Sie niemals an die Zukunft
Die Zukunft ist ungewiss und deshalb vor allem bedrohlich. Vielleicht hält sie Veränderungen bereit. Womöglich kommen gar Situationen, in denen man sich entscheiden muss. Entscheiden ist blöd. Wie man das macht, steht gar nicht in der Dienstanweisung.


Vermeiden Sie jedes Risiko
Risiko ist aber auch eine dumme Erfindung. Da weiß man ja gar nicht, was kommt. Mag ja sein, dass man bei Risiko auch mal gewinnen kann. Aber Ihre restlichen Lebensjahre sind doch eh schon so schön vorstrukturiert. Wozu brauchen Sie da ein Risiko?


Erweitern Sie niemals Ihr Wissen
Was Sie in der Schule und ggf. der Berufsausbildung oder dem Studium gelernt haben, muss bis ans Lebensende reichen. Schließlich haben Sie dafür bezahlt. Und seien es nur Steuern.
Betreiben Sie das 4-K-Management: Kontrollieren, kritisieren, korrigieren, kompromittieren
Mitarbeiter zu kontrollieren ist immer besser, als sie zu ermächtigen. Sie sollten ganze Tage damit verbringen, die Telefonrechnung Ihrer Mitarbeiter mit der Lupe auf verbotene Privatgespräche zu überprüfen. Das lenkt auch so schön ab und befreit Sie von der unangenehmen Pflicht, in dieser Zeit unternehmerische Entscheidungen zu treffen.


Träumen Sie nicht
OK, das Klischee vom Büroschlaf wollen wir hier nicht bedienen. Aber es soll ja Menschen geben, die sich Ihre Zukunft bildhaft vorstellen, eine Vision entwickeln, Ziele definieren, einen Plan machen, zur Tat schreiten. Och nö, das bringt viel zu viel Veränderung mit sich.


Bleiben Sie pessimistisch
Alles, was kommt, kann nur schlecht sein. Übrigens haben auch alle Ihre Mitmenschen nur Schlechtes im Sinn. Wenn Sie Ihnen nur lange genug mit Misstrauen begegnen, werden Sie schon irgendetwas finden, das Ihr Misstrauen rechtfertigt. Deshalb funktioniert auch das 4-K-Management so gut. Aber das wussten Sie ja bereits, oder?

 

Stephan Meyer

Mehr zum Autor:

www.denkstelle.com

 

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