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Export: Starker Euro – schwaches Wachstum?

Der Euro im Aufwind, der US-Dollar mit Verlusten. Viele sehen in diesem Szenario schwarz für den deutschen Export. Doch Analysen von PricewaterhouseCoopers ergeben, dass sich die Folgen für die Exportbranchen in überschaubaren Grenzen halten.

Als Mitte 2002 ein Euro einem US-Dollar entsprach, war man auf Seiten der Wirtschaftsverbände sicher: Sollte der Euro gegenüber dem Dollar noch stärker werden, würden die Exportverluste für die deutsche Wirtschaft auch durch die verbilligten Importe nicht aufgefangen. Inzwischen liegt die Euro-Notierung bereits knapp unterhalb der Marke von 1,60 US-Dollar - doch der erwartete Einbruch bei der deutschen Exportwirtschaft blieb bislang aus.

„Wesentlicher Grund dafür ist, dass die Hauptabsatzmärkte der deutschen Unternehmen in Europa liegen“, erklärt Bernd Papenstein, Partner bei PricewaterhouseCoopers in Düsseldorf. So gehen heute rund zwei Drittel der deutschen Ausfuhren in die EU, davon 42 Prozent in das Euro-Währungsgebiet. Wichtigster Handelspartner ist Frankreich mit rund 10 Prozent Anteil am deutschen Gesamtexport.

Die USA selbst sind mit einem Exportanteil von rund 9 Prozent zwar nach wie vor ein wichtiger Markt, doch 11 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen derzeit – mit stark steigender Tendenz – nach Asien. Wichtigste Handelspartner dort sind China, Japan und Südkorea.

Euro gewinnt international an Bedeutung

Außerdem büßt der ´Greenback´ zunehmend seine Rolle als internationale Leitwährung ein. Geschäfte im Ausland werden inzwischen weit weniger häufig in US-Dollar fakturiert. „Im Jahr 2002 wurden 71 Prozent der deutschen Aus- und Einfuhren in Euro abgerechnet“, berichtet Bernd Papenstein, „2006 lag der Anteil bereits bei 81 Prozent. Und nur 13 Prozent des deutschen Außenhandels erfolgten noch auf Basis des US-Dollars.“ Dieses Szenario sorgt also dafür, dass der deutsche Export weniger von der Kursentwicklung des US-Dollar betroffen ist als befürchtet. Doch wie sieht es in den einzelnen Branchen aus?

Exportbranchen in der Analyse

Fast 50 Prozent der deutschen Exporte entfallen auf Automobilbau, Maschinenbau und Chemie. Berücksichtigt man darüber hinaus noch Eisen und Stahl, Elektrotechnik, Medizintechnik und sonstigen Fahrzeugbau, hat man rund 70 Prozent des deutschen Außenhandels im Blick. „Geht man von 1,40 US-Dollar = 1 Euro als Basisszenario aus und berechnet anhand von Regressionsgleichungen, welchen Effekt eine Abwertung des Dollars auf 1,55 Euro für die Realwirtschaft hat, so sind Einbußen zwar spürbar, aber nicht dramatisch“, erläutert Papenstein. Für die Automobilbranche bedeutet dies zum Beispiel, dass die Nettoproduktion statt um 3,8 Prozent nur um 3 Prozent wächst. Branchenübergreifend ist diese immerhin zehnprozentige Abwertung des US-Dollars für die wichtigsten deutschen Exportbranchen mit Wachstumseinbußen zwischen 0,5 und 1 Prozent verbunden. Lediglich der Flugzeugbau sowie der Schiffs- und Schienenfahrzeugbau haben bei einer Dollar-Abwertung auf 1,55 US-Dollar pro Euro mit Wachstumsverlusten von ca. 9 Prozent beim Export und etwa 5 Prozent bei der Nettoproduktion zu rechnen.

Fazit und Ausblick

Vieles spricht dafür, dass sich die Auswirkungen des starken Euro für die wichtigen deutschen Exportbranchen in überschaubaren Grenzen halten. Erstens, weil die Zahl der in Euro fakturierten Exportgeschäfte deutlich steigt. Und zweitens, weil die deutsche Wirtschaft ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland verbessern konnte. Bernd Papenstein: „Der Grund hierfür liegt vor allem in den deutlich gesenkten Lohnstückkosten, die auf Lohnzurückhaltung und flexiblere Arbeitszeiten zurückzuführen sind.“ Überdies verbilligt der starke Euro die Importe, wovon importintensive Industriezweige, wie beispielsweise die Chemie, profitieren. „Trotzdem sollten Absicherungsstrategien gegen Währungsschwankungen für Exportunternehmen ein fester Bestandteil des jährlichen Planungsprozesses sein“, rät Papenstein. Zu berücksichtigen sind aber auch steuerliche und bilanzielle Aspekte. „Deshalb empfiehlt es sich immer, banken- und produktunabhängige Berater hinzu zu ziehen“, resümiert Papenstein.


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