Factoring im Mittelstand: Der Fallschirm für Firmenfinanzen

Für viele kleinere und mittlere Unternehmen ist es schwer, liquide zu bleiben. Dieses Problem hängt vor allem auch mit der schlechten Zahlungsmoral vieler Kunden zusammen. Eine Lösungsmöglichkeit bietet das Factoring.

Immer mehr mittelständische Unternehmen nutzen Factoring als alternative Finanzierungsform. Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen aus Warengeschäften und Dienstleistungen, sofort nachdem die Rechnung gestellt wurde, an eine Factoringgesellschaft. Diese übernimmt die Debitoren-Buchhaltung, sie überwacht also die Überweisungen und schreibt Mahnungen. Innerhalb kürzester Zeit überweist der Factor in der Regel rund 80 Prozent der Forderung auf das Konto des Unternehmens, den Rest erhält das Unternehmen, wenn der Kunde die Rechnung beglichen hat oder der Termin fällig ist.
Auch wenn die Kunden nicht bezahlen, darf der Factoring-Nehmer das Geld behalten, denn meist gehört eine Ausfallversicherung (Delkredere-Funktion) zum Vertrag.

Kunde zahlt für die Leistungen Factoring-Gebühr

Seine Leistungen lässt sich der Factor natürlich bezahlen. Die Gesellschaften verlangen für die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens und des Forderungsausfallrisikos die so genannte Factoringgebühr. Diese beträgt zwischen einem und fünf Prozent. Die Höhe der Gebühr hängt unter anderem auch von der Bonität des Kunden ab, dessen Rechnung noch offen ist – besonders günstig ist das Factoring also für Betriebe, die Großunternehmen mit ausgezeichneter Bonität beliefern.

Factoring verbessert Liquidität und Eigenkapitalquote

Unternehmen können mit Hilfe des Factoring mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen verbessern Sie auf diesem Weg ihre Liquidität. Zahlen viele Kunden ihre Rechnungen nicht, können dem Unternehmen höhere Kosten im Einkauf entstehen, da es Lieferanten nicht sofort bezahlen kann und sich somit Skonti entgehen lassen muss – für Schnellzahler liegen diese Zahlungsnachlässe immerhin bei bis zu drei Prozent. Dieses Problem kann der Factoring-Nehmer mit der gewonnenen Liquidität durch die sofort gezahlten Außenstände lösen.
Zum anderen erhöhen Unternehmen durch das Factoring ihre Chancen von der Bank einen Kredit zu bekommen. Da verkaufte Forderungen in der Bilanz als bezahlte Rechnungen gelten, verkürzt sich so die Bilanz und die Eigenkapitalquote wächst – was wiederum die Bank freut. Firmen mit viel Eigenkapital und wenig Schulden zahlen für neue Kredite außerdem häufig weniger Zinsen.

Kundenpflege wird schwieriger

Die Nachteile des Factoring bestehen zum einen darin, dass es Kosten verursacht. Hinzu kommt, dass das Unternehmen von dem Factor abhängig wird, wenn dieser das Debitoren-Management mit übernimmt. Auch die Kundenpflege kann schwieriger werden. Während das Unternehmen gute Kunden das Zahlungsziel auch mal überschreiten lässt, interessieren den Factor solche Sonderbehandlungen weniger. Er drängt mit Recht auf Zahlung, was wiederum Kunden verärgern könnte.


 

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