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Gewaltfrei Verkaufen

Das traditionelle Verkaufen steckt in der Krise. Abschlussquoten von 10% und weniger lassen trotz finanzieller Anreize und anderen Motivatoren viele Vertriebsmitarbeiter resignieren. Die Ursachen für niedrige Abschlussquoten, Kontaktarmut und frustrierte Vertriebsmitarbeiter sind aber weniger im Anreizsystem und dem verkäuferischen Geschick zu suchen, sondern vielmehr im Verkaufsprozess selbst. Die klassische Lehre verfolgt einen eher kriegerischen Vertriebsansatz, der Kunden wie Verkäufern das Leben schwerer macht. Einen Ausweg zeigt High Probability Selling, ein erprobter und erfolgreicher Ansatz aus den USA.

„Das klassische Verkaufen verliert zu viel Zeit mit Nichtkäufern, und ist mit niedrigen Abschlussquoten und hohem Sales Turnover verbunden. 98% der aktuellen Verkaufsliteratur basieren auf veralteten Annahmen und predigen Variationen des AIDA Verkaufsprozesses: Aufmerksamkeit, Interesse, Druck, Abschluss! “ so Dr. Michael Franz. Demnach liegen dem heutigen Vertrieb vielfach falsche Annahmen zugrunde, wie folgender Vergleich zeigt:

Annahme
Traditionelles Verkaufen
High Probability Selling
Was ist ein Kunde?
• Brauchen: Mehr oder weniger jeder, der braucht, was wir verkaufen, ist ein Kunde.
• Wollen: Nur jemand, der jetzt von mir kaufen will und das auch offen zugibt, ist ein Kunde.
Was ist Verkaufen?
• Kunst der Überzeugung: mit dem richtigen Einsatz von Psychologie kann man fast jeden dazu bringen, mehr oder weniger alles zu kaufen.
• Kunst der gegenseitigen Verpflichtung: Der Kunden verpflichtet sich zu kaufen, wenn wir uns verpflichten seine Bedingungen der Zufriedenheit zu erfüllen.  
Was ist ein Verkäufer?
• Marketer: Verkäufer sollen Bedarf, Neugier & Begeisterung wecken. 
• Jäger: Er soll jeden möglichen Kunden zum Abschluss bringen!
• Verhandler: Verkäufer sollen mit Kunden einen zufrieden stellenden Deal machen.
• Fischer: Er soll Kunden finden, die jetzt seine Produkte/Leistungen kaufen wollen.
Wie ist die Kunden-
Beziehung?
• Manipulativ: Bring den Kunden zum Kaufen, egal wie. Überwinde Widerstände mit Schmeicheleien, NLP-Tricks, Ein-wandbehandlungen & Gesprächstaktiken.
• Feindselig: Kunden verschließen sich, lehnen Verkäufer ab, treiben Machtspiele und sind offen feindselig.
• Vertrauensvoll: Prüfe, ob man dem Kunden Vertrauen und Respekt entgegen bringen kann und, ob das gegenseitig ist. Wenn nicht, dann gehe.
• Offenheit: Kunden öffnen sich, teilen ihre wahren Absichten mit und geben ehrliche Antworten und schließen gerne ab.
Was tun bei Misserfolg?
• Motivation: Steigere die Motivation der Verkäufer und Sales Manager durch Meetings und Trainings. 
• Prozessoptimierung: Noch präziser an einen effizienten Verkaufsprozess halten und das genau messen und verbessern. 

Nahkampf Verkauf!

Die meisten Vertriebsschulungen und -literatur messen manipulativer Verkaufsrhetorik einen hohen Stellenwert bei. Es geht dabei immer um Methoden, die den Kunden zum Kauf bewegen sollen. Mit Rhetorik hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Beispielsweise wird immer wieder propagiert, keine geschlossenen Fragen zu stellen – also Fragen, die mit Ja/Nein beantwortet werden können. Gerade zu Beginn des Verkaufsgespräches könnte der Kunde das Gespräch mit einem „Nein“ beenden. „Kunden muss man zu ihrem Glück verhelfen! Die wissen doch gar nicht, dass Sie das Produkt brauchen.“ wird immer wieder konstatiert. Man kann doch nicht einfach das Gespräch gleich zu Anfang abwürgen lassen - schon gar nicht durch den Kunden selbst - ohne die Vorteilsargumentation heruntergebetet zu haben.

Das gesamte Verkaufsgespräch ist darauf abgestellt, dem Kunden alles entgegenzusetzen, das ihn von einem Abschluss abhält – ihn „an die Wand“ zu argumentieren. Der ganze Sprachgebrauch mutet kriegerisch an: Es gilt Widerstände zu brechen, Blockaden zu überwinden, den Kunden zu knacken. Es geht um Verkaufsstrategien und Gesprächstaktiken. Ganz ähnlich klingen auch Anleitungen zum Nahkampf und zur Kriegsführung. Wie sollen da Kunden gerne und entspannt einen Abschluss tätigen?

Gewaltfrei Verkaufen mit HPS

High Probability Selling geht einen anderen Weg. Einen Weg der gewaltfreien Kommunikation – ganz ohne Manipulation. Verkäufer, die HPS anwenden, trennen möglichst schnell „Kunden“ von Interessenten. Sie holen sich gleich zu Beginn der Kontaktaufnahme, ein klares Commitment des Kunden ab, dass er von

ihnen kauft, wenn sie seine Bedingungen der Zufriedenheit erfüllen. Sie investieren ihre knappe Verkaufszeit nur in Kunden, die sich unter dieser Bedingung eindeutig zum Kauf verpflichten. Anschließend prüfen sie, ob man dem Kunden trauen kann, ermitteln seine exakten Wünsche, Bedürfnisse und Bedingungen und präsentieren dann ein maßgeschneidertes Angebot. Dieser Verkaufsprozess führt für beide Seiten zu zufrieden stellenden Vereinbarungen. Weder Kunden noch der Salesman fühlen sich übervorteilt und unter Druck gesetzt, sondern beide genießen eine angenehme, vertrauensvolle und produktive Beziehung.

Von Kontaktarmut zur Warmakquise

Viele Salesmans leiden unter „Kontaktarmut“ – sie haben nicht genug Kontakte, denen sie ihre Produkte/Leistungen anbieten können. Logischerweise klammern sie sich an das bestehende Kontakt-Portfolio und versuchen mit persönlichem Einsatz alles, um einen Abschluss zu schaffen. Das diese wenigen Kontakte dann keine Lust haben, einen Termin zu vereinbaren und den Verkäufer weiterzuempfehlen, ist nur verständlich. Viele Salesmans sitzen auch wie die Spinne im Netz und warten auf ihre „Opfer“. Für aktive Kundenansprache fehlen oftmals die Kontakte bzw. es werden Vorsätze gefunden, sich um die Kaltakqusie zu drücken.
Mit HPS wird der telefonischen Kaltakquise der Schrecken genommen. Ein Dreh um 180° - Der Kunde muss sich qualifizieren. Wie? Indem man ihn mit kurzen, maximal 36 Worte langen Offerings anruft, die sofort die Frage stellen, ob der Kunde das angebotene will oder nicht. Ja oder Nein! So wird schnell die Spreu von Weizen getrennt. Mit HPS werden per Telefon kaufbereite Kunden identifiziert und alle anderen für den Moment aussortiert. So werden nur wirklich kaufbereite Kunden besucht, um jetzt ein Geschäft auszuhandeln. Alle die in dieser Runde aussortiert wurden, werden je nach Produkt / Leistung in 4 bis 12 Wochen wieder angerufen. Über diese kurzen Anrufe baut sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis auf und die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunden nach 6 bis 12 Monaten Ja sagt, steigt gewaltig.

Ist alles bisher praktizierte falsch?

Nein, der klassische Verkauf und Vertrieb funktioniert, er ist nur weniger effizient. Hinzu kommt, dass der klassische Ansatz mit einer Menge Nebenwirkungen verbunden ist: Zum einen mit einem hohen Sales Turnover – zum Beispiel scheitern 93% aller Verkäufer von Financial Services bereits im ersten Jahr, wie aktuelle Studien zeigen. Hinzu kommen zu viele Termine mit Nichtkäufern, das führt zu niedrigen Abschlussraten pro Termin und schlechten finanziellen Ergebnissen für den einzelnen Verkäufer. Nicht zu vergessen ist die große soziale Stigmatisierung des Verkäufers in unserer Gesellschaft. Niemand will mit einem traditionellen Verkäufer/Vertriebler zu tun haben. Das führt zu großen Motivationsproblemen, einer Abneigung gegen die Kaltakquise und mangelndem Selbst-Respekt.

Wie kann ein Unternehmen und dessen Mitarbeiter von HPS profitieren?

HPS reduziert die oben genannten Reibungsverluste im Vertrieb und ist mit einer Reihe von Vorteilen verbunden. Zum einem mit wesentliche höheren Abschlussraten pro Termin und höheren finanziellen Ergebnissen pro Verkäufer. Auch die Stimmung im Team ist besser, da die Mitglieder erleben, dass Kunden gerne mit ihnen zu tun haben und sich an die Vereinbarungen halten. Das führt zu niedrigeren Sales Turnover und damit verbunden zu einem leichteren Management des Vertriebsteams. Wie also kann der Umstieg vom klassischen Verkauf zu HPS gelingen? Die Abkehr von einer langjährig praktizierten Methode bedeutet Veränderung und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun und Handeln. Oft kein leichtes Unterfangen.

Fünf Punkte, wie der Wechsel gelingen kann:

1.       Zielfunktion ändern: Sich nur noch mit Kunden treffen, die jetzt bereit sind abzuschließen.

2.       Rolle neu definieren: Anstelle Verkäufer teure 1 zu 1 Marketingpräsentationen machen zu lassen, aus Ihnen Unterhändler machen, die gegenseitige zufrieden stellende Deals verhandeln.

3.       Spiel umdrehen: Anstatt Kunden zu erlauben einen nach belieben arbeiten zu lassen, Kunden systematisch zu (dis-)qualifizieren. Der Kunde muss beweisen, dass er meine Zeit wert ist.

4.       Messen & Werten: Systematisch Aktivitäten & Ergebnisse der Verkäufer messen. Wirkt wahre Wunder.

5.       Vertrauen prüfen: Aufhören Gemeinsamkeiten herzustellen und anfangen Kunden auf ihre Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit hin zu überprüfen. Ermöglicht ein Verhandeln auf Augenhöhe. 

Wie Unterscheidet sich der traditionelle Verkauf von High Probability Selling?

Handlung
Traditionelles Verkaufen
High Probability Selling
Termin Vereinbarung
•Einmalig: Ein Kunde wird in der Regel nur ein einziges Mal angegangen
•Verführung: Sag, was immer es braucht, um den Kunden zu einem Treffen zu bewegen!
•Ohne Verpflichtung: Mache Termine mit so vielen potentiellen Kunden wie möglich. Stelle keine Bedingungen.
•Wiederholt: Kunde wird wiederholt kontaktiert, bis er zum Kaufen bereit ist.
•Disqualifizierung: Filtere alle Kunden heraus, die jetzt nicht kaufen wollen.
•Mit Verpflichtung: Termine nur mit Kunden, die sich verpflichten jetzt von Dir zu kaufen, wenn man ihre Bedingungen der Zufriedenheit erfüllt.
Phasen des Verkaufs
AIDA Verkaufsprozess:
1.Attention: Gewinne die Neugier und Aufmerksamkeit des Kunden.
2.Interest: Führe eine meisterhafte Verkaufs-Präsentation auf, die beim Prospekt einen dringenden Bedarf an Deinem Produkt / Dienstleistung weckt.
3.Desire: Überzeuge den Kunden von den Vorteilen des Produkts / Service.
4.Conviction: Überwinde und entkräfte alle Zweifel und Einwände.
5.Action. Lerne Killer Abschluss-Techniken auswendig, frage aktiv nach dem Auftrag, mache Zugeständnisse an die Marge.
HPS Verkaufsprozess
1.Bedingte Verpflichtung: Lasse Kunden die Verpflichtung wiederholen, mit Dir Geschäfte zu machen, wenn Du dessen Bedingungen der Zufriedenheit erfüllst.
2.Geschäftsbestimmung: Finde alles heraus, was für einen reibungslosen Abschluss nötig ist. 
3.Bedingungen der Zufriedenheit verhandeln: Gehe dabei ehrlich und aufrichtig mit den Nachteilen des Produktes / Dienstleistung um.
4.Selbstabschluss: Der Kunde schließt ab, wenn Du seine vorher definierten Bedingungen der Zufriedenheit erfüllst.
Ergebnisse
•Ineffizient: Verkäufer verbringen nur ca. 15% ihrer Zeit mit dem eigentlichen Verkaufen.
•Abschlüsse durch Termine: ca. 14%
•Hoher Sales Turnover: ca. 20-30% der Verkäufer wechseln innerhalb eines Jahres den Job aufgrund von fehlender Motivation, schlechtem Management und unzureichenden Ergebnissen.
•Effizient: Verkäufer verbringen ca. 50% ihrer Zeit mit dem eigentlichen Verkaufen,
•Abschlüsse durch Termine: ca. 60-70%
•Niedriger Sales Turnover: Über 90% der Verkäufer bleiben wegen des Arbeitsklimas, der guten Ergebnisse und der erfreulichen Art zu Verkaufen. Dadurch niedrige Einstellungs-, Fortbildungs- und Managementkosten. 

© New York Times, High Proability Inc.

 


Über den Autoren

Dr. Michael Franz ist Geschäftsführer von High Probability Germany. Die Firma ist auf die Entwicklung und Umsetzung von Verkaufsprozessen für Unternehmensberater, Vertriebsleiter und Selbständige spezialisiert. Zudem arbeitet er als Executive Coach, Referent und ist Autor des Verkaufsblogs.de mit vielen Tipps, Trends & Tools rund ums Thema Verkauf und Vertrieb.

Über BusinessVillage

BusinessVillage, Bücher die Spaß machen. Prägnant und praxisorientiert kann sich der Leser ohne viel Aufwand schnell in neue Aufgabengebiete einarbeiten. Von Marketing & Vertrieb über Public Relations & Unternehmenskommunikation bis hin zu Erfolg & Karriere finden Angestellte, Manager & Freelancer aktuelles Know-how renommierter Experten.

Web: www.businessvillage.de

 

 

 

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