Kommunikation in Echtzeit - Der Twitter-Plan
In diesem Moment laufen tausende Unterhaltungen zu jedem nur denkbaren Thema. Schwer vorstellbar, dass tausende Gespräche um Sie herum gleichzeitig ablaufen und dass Sie daran teilnehmen sollen. Sollen Sie auch nicht, keine Angst. Wir waren alle schon einmal auf einer Party, einem Empfang oder einer großen Veranstaltung mit vielen Teilnehmern. Üblicherweise gibt es dort einen Raum, voll mit Menschen, die sich – aufgeteilt in kleine Gruppen – unterhalten. Je größer die Party ist, desto wahrscheinlicher werden diese kleinen Gruppen und während eine gleichzeitige Unterhaltung zwischen allen Anwesenden ziemlich schnell chaotisch würde, sind die kleinen Gesprächsrunden deutlich angenehmer und nutzbringender für die Beteiligten.
Das ist genau das Prinzip von Twitter. Sie sollten Ihre Kommunikation dort genauso angehen wie auf einer solchen Party. Sie würden doch auch nicht in eine Party platzen und ausschließlich darüber reden, was Sie interessiert, oder? Wahrscheinlich nicht.
Bei Twitter ist es genauso. In einem Tweet ungefragt herauszuposaunen, dass Ihr Unternehmen ein unschlagbares Super-Sonder-Spezialangebot hat, bei dem man unbedingt sofort zuschlagen muss, hat einen ähnlichen Effekt, als wenn Sie auf der Party mit der sensationellen Information in eine politische Diskussion hineingrätschen, dass Sie gerne Mensch-ärgere-Dich-nicht! spielen.
Wahrscheinlich fallen Sie auf, werden aber schneller, als Ihnen lieb ist, ausgeschlossen und bekommen den Stempel – Sie ahnen es schon – „Typ nerviger Nachbar“! Und welche war die einzige und wichtigste Regel bei Twitter? Richtig: ‚Seien Sie kein nerviger Nachbar!‘
Der 3-Stufen-Plan
Okay, wir wissen also etwas darüber, wie Kommunikation bei Twitter funktioniert und über die Notwendigkeit, als „Ich-Sender“ auch in diese einzusteigen.
Wir haben auch ein wenig darüber gesprochen, was Sie bei Twitter nicht tun sollten und wie Sie die Menschen am besten erreichen, mit denen Sie sprechen möchten. Und vor allem die Person zu sein, mit DER ANDERE sprechen wollen. Was kommt als nächstes? Als nächstes brauchen Sie einen Masterplan für Twitter, wie Sie ins Gespräch kommen und auch darin bleiben. So einfach und so zielführend wie möglich.
Und hier kommt der 3-Stufen-Plan ins Spiel. Wir stellen Ihnen einen extrem einfach nachzuvollziehenden Lösungsansatz vor. Allerdings sagen wir Ihnen nicht, was Sie tun sollen, sondern ich erkläre Ihnen die Vorteile jeder Stufe. Sie nehmen einfach die Dinge davon mit, die am besten zu Ihnen und Ihrer Situation passen. Einverstanden?
Stufe 1: Hör zu!
Also, lassen Sie uns die drei Stufen anschauen, die Sie gehen müssen, damit Twitter für Sie „funktioniert“. Wirklich überraschend ist es wahrscheinlich nicht, dass es bei den ganzen, bereits stattfindenden Unterhaltungen am allerwichtigsten ist, zuzuhören.
Was ist damit gemeint? Auf einer Party oder auf einer Veranstaltung ist Zuhören ja noch recht einfach. Sie stehen einfach dabei, benutzen Ihre Ohren und, naja, hören eben zu. Wenn Sie etwas hören, das Sie interessiert, spitzen Sie Ihre Ohren und achten natürlich noch mehr auf das, was erzählt wird.
Bei Twitter funktioniert das Zuhören zwar ein wenig anders, das Prinzip ist aber das gleiche. Neben der Tatsache, dass Sie vor Ihrem Computer sitzen und hunderte von Tweets beobachten, die auf Ihrem Monitor erscheinen, wird die wahrscheinlichste Art des „Zuhörens“ sein, bei Twitter nach Dingen zu suchen, die Sie interessieren.
Dafür gibt es unter anderem die folgenden Tools:
- Twitter Suche (http://search.twitter.com) – Durchsuchen Sie Twitter in Echtzeit und sehen Sie, was in diesem Moment in der Welt passiert.
- Monitter (http://monitter.com) – Mit diesem Tool können Sie drei Suchbegriffe oder -phrasen parallel und in Echtzeit „überwachen“.
- BackTweets (http://backtweets.com) – Suchen Sie auf Twitter nach Links zu beliebigen Internet-Adressen.
Probieren Sie sie am besten gleich einmal aus! Sie haben also einige Unterhaltungen gefunden, die Sie interessieren, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich unter das Volk zu mischen.
Während Ihrer letzten Veranstaltung sind Sie wahrscheinlich ein wenig umher geschlendert und haben sich an den Gesprächen beteiligt, die Sie am interessantesten fanden.
Glauben Sie, dass Twitter anders ist? Nein, es unterscheidet sich nicht wirklich von einer tatsächlichen, zwischenmenschlichen Unterhaltung; sie findet eben nur im virtuellen Raum, also online statt. Das ist alles.
Ihre Aufgabe besteht darin, durch Suchen und Zuhören die Gesprächsgruppen herauszufinden, deren Themen Sie am meisten interessieren. „Schlendern“ Sie umher, spitzen Sie Ihre Ohren und seien Sie bereit, in ein Gespräch einzusteigen.
Das ist unter Umständen übrigens wesentlich einfacher und effizienter als in der „richtigen Welt“.
Stufe 2: Antworten
Nachdem Sie einigen Unterhaltungen gelauscht haben, wird es Zeit, selber an ihnen teilzunehmen und zu antworten.
Noch einmal, Sie grätschen nicht hinein, Sie ergänzen das, was diskutiert wird. Das sollte Ihnen nicht sonderlich schwerfallen, schließlich nehmen Sie an einem Gespräch teil, das für Sie und Ihr Business interessant ist und Ihre Expertise auf diesem Gebiet bietet einen Mehrwert für die Diskussion.
Bevor Sie sich aktiv einklinken, lautet die wichtigste Frage an sich selbst „Womit kann ich helfen?“ beziehungsweise „Welchen zusätzlichen Nutzen kann ich ihnen bieten?“.
Mit helfen könnte zum Beispiel gemeint sein, Ihr Experten-Wissen zu teilen, einen unzufriedenen Kunden anzusprechen oder Ihre (fundierte) Meinung zum Thema zu äußern. Ähnlich wie auf der Cocktail-Party nehmen Sie daran teil, was gerade besprochen wird, sie FOLGEN also dem Thema.
Bringen Sie sich in die Konversation ein, indem Sie beim Thema bleiben – und bieten Sie immer einen Mehrwert für die Unterhaltung, bevor Sie erwarten, dass die Unterhaltung einen Mehrwert (na, Sie wissen schon – Pinke-Pinke, Zaster, Kohle) für Sie bringt. Von dieser Erwartungshaltung sollten Sie sich verabschieden, bevor Sie das erste Wort zur Unterhaltung beigetragen haben. Denken Sie an den Nachbarn …
Wenn Sie sich einbringen, werden Sie Ihre potenziellen Kunden nicht mit Verkäufer-Blabla bombardieren. Es gibt einen viel besseren Weg dafür. Lesen Sie also weiter, wir kommen noch darauf.
Ihre Aufgabe besteht darin, Ihren Followern mehr Nutzen zu bieten, als Sie von ihnen erwarten.
Stufe 3: Mach mit!
Die letzte Stufe in unserem 3-Stufen-Plan heißt: Mitmachen. Erinnern Sie sich noch – „Mitmachen ist Marketing“, darüber haben wir schon gesprochen. Bis jetzt haben Sie die richtigen Unterhaltungen verfolgt und sich darin eingebracht, indem Sie geantwortet haben und einen Mehrwert geboten haben. Erinnern Sie sich daran, dass durch Ihr Zuhören und Antworten andere auch Ihnen zugehört und geantwortet haben. Motivieren Sie Ihr Publikum zum Mitmachen, binden Sie die Menschen ein.
Beginnen Sie neue Unterhaltungen mit ihnen, indem Sie Fragen stellen, um Feedback bitten oder sie um einen Rat oder ihre Meinung bitten. „Retweeten“ Sie die Kommentare, Fragen oder Anregungen Ihrer Follower. Das bedeutet, Sie wiederholen den Tweet einfach (wörtlich und unkommentiert) und stellen ein „RT @Urheber-Twittername“ voran. Damit verbreiten Sie dessen Tweet zusätzlich in Ihrer gesamten Follower-Community, was dem Urheber möglicherweise weitere Follower einbringt. Sozusagen als kleine Gegenleistung für sein Engagement. So, ab jetzt wiederholt sich dieser Prozess immer wieder. Zuhören-Antworten-Mitmachen.
Solange Sie weiter zuhören, antworten und mitmachen, wird die Zahl Ihrer Follower bei Twitter weiter zunehmen und die Kommunikation mit Ihren Kunden und Interessenten wird funktionieren.
Je mehr Sie zuhören, antworten und mitmachen, desto größer wird Ihre Glaubwürdigkeit und umso mehr werden Sie über Ihre Kunden und Ihren Markt erfahren. Sie wissen natürlich selber, dass man nie genug über seine Kunden und seinen Markt lernen kann und Twitter ist ein perfektes Werkzeug dafür.
An diesem Punkt werden Sie den wahren Nutzen erkennen, Twitter im Business einzusetzen. Beziehungen aufbauen, Vertrauen aufbauen, eine Gemeinschaft um sich und sein Unternehmen aufbauen.
Entwickeln Sie Ihre Strategie
Als erstes definieren Sie klar und eindeutig Ihre Ziele. Sie werden merken, dass Sie mehr Erfolg damit haben, wenn Sie sich fragen, welchen Nutzen Sie Ihren Followern bieten, als zu überlegen, was Ihre Follower Ihnen bieten können.
Ihre Strategie könnte zum Beispiel einen der folgenden Punkte beinhalten:
- Generieren von Kontakten
- Kunden-Service
- Weiterbildung
- Wissen zu Produkten und Service
- Eine Mischung aus allem
Wenn Sie Ihre persönliche Strategie entwickeln, denken Sie möglichst nicht in „Alles-oder-nichts“-Kategorien. Vielleicht ist das für Ihr Unternehmen Effektivste auch eine Mischung aus verschiedenen Punkten oder Ansätzen. Seien Sie kreativ, mutig und offen für neue Gedanken und Ideen.
Der Autor: Wolfgang Hünnekens ist Gründer des Institutes of Electronic Business (IEB), Managing Partner von Publicis Berlin sowie Gastprofessor für Digitale Kommunikation an der UdK Berlin. Internet: www.businessvillage.de/





