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Kredit-Alternativen für den Mittelstand

Die im deutschen Mittelstand traditionell starke Finanzierung durch Bankkredite ist angesichts neuer alternativer Finanzierungsformen zu überdenken. Entstanden sind diese durch die Vernetzung der weltweiten Finanzmärkte. Welches Instrument für ein Unternehmen interessant ist, hängt von der Höhe des Finanzierungsbedarfs und der Phase innerhalb seiner Entwicklung ab.

Die Ausgabe von Schuld- oder Genussscheinen kommt ab etwa fünf Millionen Euro jährlichem Finanzierungsbedarf in Frage. Vorteil ist, dass ein Unternehmen hierdurch seine Kapitalbasis erweitert und einer eventuellen Risikoballung bei seiner Hausbank entgegenwirkt. Zugang zu dieser Finanzierungsalternative haben Unternehmen mit einwandfreier Bonität - wobei das Rating durch eine Agentur hilfreich, aber nicht zwingend ist. Eine besondere Variante sind die "US Private Placements" aus dem amerikanischen Kapitalmarkt, die bereits vom deutschen Nahrungsmittelhersteller Müller Milch oder dem Automobilzulieferer Fritz Draexlmaier genutzt wurden.

Die Aufnahme von Beteiligungskapital ist trotz des inzwischen regelrechten Angebots-Booms in Deutschland im Mittelstand nicht immer erste Wahl. So müssen die damit verbundenen hohen Ansprüche an Mitbestimmungsrechte, Transparenz und Berichterstattung gut abgewogen werden. Ist die Unternehmensführung hier jedoch aufgeschlossen, kommt auch die Ausgabe von Aktienkapital und der Gang an die Börse in Frage. Insbesondere wenn das Unternehmen die Kapitalgeber von starken Wachstumsaussichten („Equity Story“) überzeugen kann.

Besonders steuerlich interessant sind Mezzanine-Finanzierungen, also eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Typische Formen sind Nachrangdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Stille Beteiligungen, Genussscheine und Wandel- sowie Optionsanleihen. Charakteristisch ist, dass die Verzinsungs- und Rückzahlungsbedingungen aus fixen und variablen Elementen besteht. Die Struktur lässt sich hierbei so wählen, dass etwa auch die regelmäßigen Ausschüttungen an die Kapitalgeber steuerlich als betrieblicher Aufwand abzugsfähig werden - obgleich in der Bilanz das Kapital nicht als Fremd- sondern Eigenkapital ausgewiesen wird.
Da die Finanzämter eine solche Kombination des "besten aus zwei Welten" aber sehr genau prüfen, ist hier hohes Know-how gefragt.

Bei einer Asset-Backed (ABS-) Finanzierung verkauft ein Unternehmen regelmäßig seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine speziell gegründete Finanzierungsgesellschaft. Diese wiederum begibt Wertpapiere am Kapitalmarkt, um sich die notwendigen Finanzierungsmittel für den Ankauf der Forderungen zu beschaffen. Daher kann sich ein Unternehmen mittels ABS deutlich günstiger als über einen traditionellen Bankkredit finanzieren. Weiterer Vorteil: Bilanzkennzahlen wie Eigenkapitalquote, Liquiditätsgrad und Gesamtkapitalrentabilität können optimiert werden. Möglich ist all dies jedoch erst ab einem regelmäßigen Forderungsbestand von mindestens fünf bis zehn Millionen Euro.

Der Verkauf von Forderungen an eine Factoringgesellschaft als Alternative zu kurzfristigen Bankkrediten erfordert geringere Forderungsbestände als bei ABS-Finanzierungen. In der Praxis geschieht dies überwiegend in der sogenannten stillen Form. Hierbei bleiben also die Unternehmen für den Forderungseinzug beim Kunden verantwortlich.

Auch das Leasing kann zur Finanzierung von Anlagevermögen schließlich eine sinnvolle Alternative zum Bankkredit sein. Geringere Kapitalbindungen, mögliche Bilanzstruktureffekte sowie das Heben stiller Reserven (beim so genannten Sale-and-Lease-back) sind aus Sicht der Unternehmen die interessantesten Merkmale.


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