Sprachlos als Chef – leicht gemacht!
Die folgenden Sätze sollten für Sie streng verboten sein. Warum? Sie stammen von vorbildlichen Führungskräften. Aber jemand wie Sie hat es doch sicher nicht nötig, irgendjemandem irgendetwas nachzumachen, oder? Schweigen Sie Ihre Mitarbeiter lieber an. Seien Sie sprachlos als Chef!
„Man kann es zum Beispiel so machen.“
Bei diesem Satz liegt die Betonung auf dem „so“. Die Führungskraft teilt ihr Wissen und ihre Erfahrung mit ihrem Mitarbeiter. Aber andererseits: Wenn Sie es auf die harte Tour lernen mussten, warum sollte es Ihr Mitarbeiter leichter haben? Also: Klappe halten!
„Das sieht großartig aus!“
Wenn ein Mitarbeiter die Erwartungen erfüllt, kann man ihn natürlich loben. Andererseits: Wenn er nicht sowieso gut wäre, hätten Sie ihn dann eingestellt? Also ist es doch eigentlich nur normal, dass er sein Ziel erreicht, oder?
„Das muss noch mal gemacht werden.“
Wenn ein Mitarbeiter die Erwartungen nicht erfüllt, kann man ihn sachlich darum bitten, seine Aufgabe noch einmal besser zu machen. Als Führungskraft alten Schlags sparen Sie sich natürlich diesen Satz und falten den Mitarbeiter stattdessen gleich komplett zusammen.
„Wie können wir vermeiden, dass so etwas noch einmal passiert?“
Wenn etwas schief geht und Sie den verantwortlichen Mitarbeiter selber auf die Lösung kommen lassen, wird er sich um so mehr anstrengen, dass die Sache wirklich nicht wieder vorkommt. Aber nee, hauen Sie am besten ordentlich auf die Pauke und erklären Sie ihm haarklein, was er falsch gemacht hat. Erst durch Lautstärke lernt der Mensch dazu.
„Das nächste Mal schaffen wir’s!“
Zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter bloß nicht, wie man mit einem Fehlschlag umgeht. Nehmen Sie ihm lieber den Mut, es noch mal zu versuchen.
„Was brauchen Sie von mir?“
Man könnte natürlich erfragen, welche Anforderungen Ihr Mitarbeiter an Sie als Führungskraft hat. Aber dann: Wer ist denn hier der Chef? Also besser nicht fragen!
„Wie mache ich mich?“
„Was hätte ich auf dem letzten Projekt tun können, das Ihre Arbeit noch erfolgreicher gemacht hätte?“ Hoppla, hat da gerade der Chef seinen Mitarbeiter gefragt? Aber so etwas macht man doch nicht!
„Schauen Sie mir mal zu!“
Och nö! Mag ja sein, dass die meisten Menschen gerne durch ein positives Vorbild lernen. Aber jetzt dem Mitarbeiter zeigen wie es geht? Soll der doch selber sehen, wie er klarkommt!
„Ich möchte Sie bitten, mir dabei zu helfen.“
Wenn man eine besonders herausfordernde Aufgabe für den Mitarbeiter hat, bekommt man durch Bitten die besten Ergebnisse. Na ja, aber wer wird denn bitten? Wozu ist man eigentlich Chef?
„Was ist Ihre Meinung?“
Mitarbeiter haben oft die besten Ideen, wie man Dinge schneller, besser oder günstiger macht. Andererseits wäre es peinlich zu sehen, dass Sie als Chef nicht alleine da drauf gekommen sind. Also besser nicht fragen!
„Erzählen Sie mir von sich.“
Wenn Sie eine neue Aufgabe mit neuen Mitarbeitern einnehmen, werden Sie nur mit offenen Ohren erfahren, was deren Wünsche, Ängste, Ideen und Ambitionen sind. Sie könnten jeden Mitarbeiter entsprechend seinem Hintergrund und seiner Ziele so einsetzen, dass er sich in das Unternehmen optimal einbringt. Andererseits: Als Chef können Sie ihm ebenso gut nach Ihrem eigenen gusto irgendeinen beliebigen Job aufdrücken..
„Ich habe mich geirrt!“
Menschen respektieren Führungskräfte, die die Größe haben, vor ihren Mitarbeitern eigene Fehler zuzugeben. Aber Sie machen ja keine Fehler – also müssen Sie auch nichts zugeben!
„Es ist aufregend, etwas Großartiges zu schaffen. Es ist trist, etwas Mittelmäßiges zu schaffen.“
Ihre Mitarbeiter wissen sowieso schon, dass Sie hohe Erwartungen haben. Das müssen Sie nicht extra betonen!
„Wir machen das zusammen!“
Erfolgreiche Führungskräfte zeigen ihren Mitarbeitern, wo die gemeinsamen Ziele liegen. Allerdings muss man den Teamgeist dann auch vorleben. Das ist anstrengend. Also besser, Sie lassen es gleich!
„Lasst uns das beste Unternehmen dieser Branche sein!“
Von mir aus auch das beste Team in der Firma. Etwas Begeisterung hin und wieder kann sicher ansteckend wirken. Aber bei näherem Nachdenken: Klingt das nicht so furchtbar amerikanisch? Also lieber weglassen!
„Gucken Sie mal, was für einen Unsinn ich gerade gemacht habe!“
Das sagen Sie natürlich nicht! Als ernstzunehmende Führungskraft werden Sie niemals Humor am Arbeitsplatz verwenden, sich selber auf den Arm nehmen, nicht einmal lächeln!
Stephan Meyer
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